Bluffen bei Online Poker

Online Poker: Bluffen beim Texas Hold'em

Einführung ins Bluffen

Bluffen beim Texas Hold'emUm das Bluffen kommt man nicht herum – Bluffen ist ein wichtiger Teil des Pokerns und insbesondere im Texas Hold´em. Während erfolgreiches Bluffen einen erstaunlichen Betrag zu eurer Gewinnrate zusteuern kann, kann nicht erfolgreiches, „dummes“ Bluffen einen großen Teil eures erarbeiteten Guthabens zunichte machen.

Viele schwache Spieler verstehen die Mechanismen, die hinter dem Bluffen stecken, nicht. Sie haben vielleicht jemanden bei der WPT gesehen, der mit einer Hand all-in geht, die nichts Wert ist und somit jemanden mit einer guten Hand vertrieben hat und denken dann: ”Hey, das kann ich auch!”. Dann überweisen sie etwas Geld auf eine Pokerseite oder gehen direkt ins nächste Casino und versuchen das selbe. Dann sind sie bestürzt, wenn es die ersten Male nicht funktioniert und denken sich: “Nagut, ich hatte wohl Pech”, oder “Ich hatte nunmal ein schlechtes Timing”. Dann probieren sie es immer wieder und werden auf Dauer verlieren, statt zu gewinnen.

Also was ist jetzt ihr größter Fehler? Haben sie einfach Pech und ein schlechtes Timing? Teilweise mag das stimmen, denn Glück ist ein Teil des Pokerns - besonders auf kurze Sicht. Das Problem ist, dass schwache Spieler eher wahllos bluffen und nicht an die diversen Faktoren denken, die ihre Odds beim bluffen beeinflussen und diesen Bluff zu einer erfolgreichen Aktion machen.

Gutes Bluffen ist in erster Linie situationsabhängig. Vor einem oder zwei Jahren habe ich einen Beitrag in einem Forum gelesen, in dem stand: “Man sollte versuchen in x% der gespielten Hände, zu bluffen”, und nicht anders. Dies ist eher eine dumme Art und Weise das Bluffen zu betzrachten. Wenn ich sagen würde, man soll freiwillig in 20% der gespielten Hände Geld in den Pot werfen, dann würde man denken ich sei verrückt, weil man genau wie beim Bluffen je nach Situation entscheidet, wann man Geld in den Pot gibt und wann nicht. Wenn du an einem tighten Fullring- oder shorthanded Table bist, dann solltest du Preflop tendenziell mehr raisen und generell mehr Flops anschauen, sodass man in dieser Situation eher Geld in seine Hand investiert. Wenn du aber an einem loose-aggressive Table bist, wirst du eher auf die Premiumhände warten bevor du Geld in deine Hand investierst. Zu denken, man müsse bluffen, weil man dies eine Weile nicht getan hat, um seine „Bluffquote“ zu erhalten oder man müsse endlich mal eine Hand wie 84 offsuit under the Gun spielen, weil man den Flop seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, ist lächerlich und ein riesen Schritt in Richtung Bankrott.

Wenn wir also nicht festlegen können zu wieviel Prozent wir bluffen sollen, wie können wir dann überhaupt festlegen, wann wir bluffen und wann nicht? Es gibt eine Spannweite an Situationen, in denen Bluffen machbar ist und es gibt diverse Entscheidungen, die vor dem Bluff zu treffen sind, wie sie im folgenden Teil des Artikels zu lesen sind.

Die Spieler, die du bluffen willst

Ein weit verbreitetes Sprichwort beim Poker sagt, dass man keine sog. „Calling Station“ bluffen soll. Dies ist einfach zu erklären, weil solche Spieler deinen Bluff eher runtercallen warden, anstatt zu folden. Das ist zwar einfach zu verstehen, aber man kann sich nicht vorstellen, wie oft ich Posts ich gelesen habe, indenen man sich Leute fragen, wie jemand ihren Bluff mit einer überaus schlechten Hand gecallt haben und der Bluff dadurch in die Hose ging. Dies ist ein Grund warum man sich die Leute am Tisch genau ansehen soll und Notizen zu ihnen machen sollte, sodass man weiß wer aus einer starken Hand herausgeblufft werden kann und wer nichtmal herausgeblufft werden kann, wenn er nur Ace-high an einem drawlastigen Flop hält.

Dein Tableimage

Selbstbild: Wenn du gerade beim Bluffen erwischt wurdest, ist es wohl eine schlechte Idee das Selbe nocheinmal zu versuchen, bevor der Tisch diese Aktion nicht vergessen hat. Wenn du aber in zwei Stunden kaum eine Hand gespielt hast, werden die Leute am Tisch deine Bets und Raises schon eher respektieren und es ist wahrscheinlicher, dass man mit seinem Bluff davon kommt.

Wieviele Spieler kann ich versuchen zu Bluffen?

Auch dies sollte einfach zu erkennen sein, jedoch sehe ich täglich Leute, die versuchen fünf Andere am Flop zu bluffen. Dabei ist es um Einiges einfacher zu Bluffen, wenn nur noch ein Spieler in der Hand ist. Auch wenn du gegen fünf Leute bluffst, die in deinen Augen leicht zu bluffen sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass wenigstens einer etwas gutes am Flop getroffen hat.

Der Flop

Denkst du es ist einfacher zu Bluffen, wenn Qh Jh Th im Flop liegt oder wenn 6h 6c 2d im Flop liegt? Die richtige Antwort sollte offensichtlich sein – ein ragged Board ist ideal zum Bluffen. Niedrige Karten, verschiedene Farben und paired Board sind die Sachen nach denen wir Ausschau halten. Auf einem Board mit 6h 6c 2d, wird wohl eher niemand etwas gutes getroffen haben, es sei denn jemand hat eine Monsterhand oder ein Overpair und in beiden Fällen sollten wir eher früher als später herausfinden, ob dies der Fall ist. Sollten wir also bei einem Bluff und einem großen Pot von einem eher tighten Spieler gecallt werden, müssen wir den Bluff meist aufgeben und einsehen, dass unser Timing eventuell schlecht war. Sollten wir geraised werden, sollten wir die Hand ebenfalls besser aufgeben.

Deine Outs

Der Begriff “Semi-Bluff” wird in Pokerkreisen häufig benutzt, undzwar mit einem guten Grund. Bei einem Bluff ist es immer gut einige Outs zu haben, die dir die beste Hand verleihen, falls dein Bluff gecallt wird. Ob dies jetzt ein Fluschdraw, Straightdraw oder einfach Overcards sind, spielt keine Rolle. Dennoch gilt natürlich; je mehr Outs man hat, desto besser ist unsere Situation. Zu Bluffen, wenn man bereits drawing dead ist oder nur ein oder zwei Outs hat, ist eine äußerst schlechte Idee.

Deine Position

Wenn man gegen einen aggressiven Gegner spielt, ist es oft von Vorteil, wenn man am Flop als Erster agieren kann, um an einem ragged Board direkt zu bluffen. Generell sind Informationen sehr wichtig beim Poker. Wenn man in später Position agiert, bekommt man natürlich viele Informationen, die unter anderem bestimmen, wie unsere Aktion aussehen wird. Viele Informationen dieser Art bekommen wir nicht, wenn wir als erster agieren. Wenn man heads-up gegen einen sehr aggressiven Gegner spielt, der eigentlich kaum interesse am Slow-play zeigt und dieser checkt am Flop zu dir, dann kann man diesen häufig bluffen. Die Position ist ebenfalls wichtig, wenn man Preflop stealen möchte, was wir ebenfalls in diesem Artikel diskutieren werden.

Fold-Equity

Essentiell ist dies die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegner folden wird und die extra Value, die du dadurch erhältst. Wenn du mit einem Big-Stack am Tisch sitzt und dein Gegner setzt 500 Chips am Flop und du pusht all-in mit deinen letzten 800 Chips, gibt es zwei Dinge zu beachten. Erstens ist es unwahrscheinlich, dass der Gegner foldet, wo du ihm mit deinem Raise die nötigen Pot Odds gegeben hast und zweitens scheidest du aus dem Tournier aus, solltest du den Pot verlieren. Würde ein Bluff hier einen Sinn ergeben? Definitiv nicht! Sogar wenn du den Pot gewinnst, sei es dadurch, dass dein Gegner einen dummen Fold macht oder du durch Glück gewinnst, bekommst du nicht so viel Value beim Gewinnen (da du danach immernoch shortstacked bist und deine Chancen auf ein gutes Abschneiden beim Tournier immernoch sehr gering sind), als das du Value beim verlieren des Pot verlierst (dann scheidest du aus dem Tournier aus).

Tourniersituationen

Am Anfang eines Tourniers zu bluffen, ist generell nicht zu empfehlen, da die Blinds gering sind und man durch Bluffen nur wenig Gewinn bekommt. Außerdem ist es wichtig ein tightes Tableimage zu haben, wenn die Blinds in die Höhe schießen und das Bluffen an Wert gewinnt. Situationen an der Bubble (also kurz bevor man „im Geld“ ist) sind ideal zum Bluffen, denn die meisten Spieler sind darauf aus einfach ins Geld zu kommen. Beim Bluffen an der Bubble besteht zwar das Risiko in eine Monsterhand zu laufen und nicht ins Geld zu kommen, aber man verbessert seine Chancen einen großen Stack aufzubauen und noch viel länger im Tournier zu bleiben, wo dann das große Geld auf uns wartet.

Es gibt nurnoch wenig Nennenswertes in Sachen Bluffen. Der wichtigste Punkt ist, dass man einfach einen hohen Grad an Gedanken beim Bluffen hegt. Wenn man sich daran hält, ist es eher wahrscheinlich, dass unser Bluff mit Erfolg gekrönt wird. Denke aber daran, dass auch immer die Möglichkeit besteht, dass wir mit dem Bluff in eine Monsterhand laufen. Wenn wir stets genügend über die spezifische Situation nachdenken, in der wir bluffen, sollte uns diese eine Situation nicht zusehr schwächen, wenn es den passiert.

Dieser Artikel wurde von Dorkus Malorkus geschrieben.

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