Position im Poker

Position beim Poker

Anmerkung: Falls du noch nicht weißt wie das Konzept “Expected Value” (Erwartungswert) funktioniert, dann lies vorerst diesen Artikel: Expected Value

Dies ist der dritte Artikel aus meiner Artikelserie, die sich mit den fundamentalen Pokerkonzepten befasst. Dieses mal werde ich über die Position beim Pokern berichten – wobei jeder, außer den ganz frischen Beginnern weiß, wie wichtig die Position ist, jedoch nicht jeder exakt weiß warum diese wichtig ist und wie man mit ihr umgeht.

Poker Position

Poker: Über PositionenVorerst einige Erklärungen: Mit „Position auf jemanden haben“ meint man, dass dieser vor einem agiert. “First Position” bedeutet, dass man als Erster dran ist. Wenn du in vierter Position dran bist und die Blinds un der Spieler UTG („Under The Gun“, also der Erste der nach den Blinds dran ist) foldet, dann wirst du in „First Position“ für den Rest der gespielten
Hand sein (zumindest bist du foldest). „Last Position“ bezeichnet deine Position in Relation zu allen anderen Spielern, die sich noch in der Hand befinden. Das bedeutet, dass du auch immernoch in „Last Position“ bist, wenn du nicht am Button bist und niemand nach dir agiert (angenommen die Spieler nach dir folden)

Position und Expected Value

Die Position spielt immer eine Rolle, weil sie stets die Exprected Value (Erwartungswert) deiner Hände beeinflusst. Es gibt eine Menge an Situationen, in denen du davon profitierst in early Position zu sein, aber generell lässt sich sagen, dass die meisten Hände die beste Value haben, wenn man in Late Position bzw. last to act spielt. Eben dies ist der springende Punkt. Beim Showdown spielt die Position keine Rolle mehr, aber wenn man in Last Position ist, hat man sehr viel mehr Kontrolle über die Potsize. Somit kann man auch mehr Value aus seinen Monsterhänden ziehen, während du den Pot niedrig halten kannt, wenn du erwartest die Hand zu verlieren. Wie wichtig die Position ist, mag nun offensichtlich sein, aber nocheinmal für das Protokoll: Während jeder auf lange Sicht die selbe Anzahl an guten oder schlechten Karten erhält, ist der Unterschied zwischen Gewinnern und Verlierern der Betrag, den man gewinnt, wenn man gewinnt und der Betrag den man bei sich behält, wenn man verliert.

Einige Beispiele:

Du hast
K♥ 9♥
und bist in Late Position. Auf dem Board befindet sich:
7♥ 8♥ 5♦ A♣ 6♠

Wahrscheinlich hältst du hier die beste Hand und du bist dir ziemlich sicher, dass dein Gegner mindestens ein paar Asse hält oder two Pair oder sogar ein Set. Wenn du nun vor deinem Gegner dran bist und du den River bettest – würde dein Gegner dann raisen? Aber erstmal müssen wir uns darüber keine Sorgen machen, denn der Gegner ist in diesem Beispiel vor uns dran. Er hat die schwere Entscheidung zu treffen, ob er seine starke Hand bettet oder nicht. Er weiß, dass er geraised wird, wenn du nur eine 9 hältst und er wird dann einen extra Einsatz verloren haben. Andererseits weiß er, dass er riskiert wenig Geld zu bekommen, wenn er checkt, falls er bei uns eine Hand erwartet, mit der wir selbst nur checken würde, weil sie nicht gut genug ist.

Du hast nicht das Problem diese Entscheidungen zu treffen, weil du Position auf deinen Gegner hast. Wenn er checkt, wirst du betten und wenn er bettet, wirst du raisen. Im Gegensatz zu sein Entscheidung, wird deine in dieser Situation immer die richtige sein. Beim Pokern geht es darum die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wenn du in Position bist hast du in solchen Fällen den Vorteil, dass du zusätzliche Informationen erhältst, welche dein Gegner eben nicht besitzt. Dies ist der größte Vorteil, wenn du in Position bist, aber es wird selten gesagt, was man mit diesem Vorteil anfangen soll. Hier ist ein Beispiel, wo die Position wirklich eine große Rolle spielt:

Du hast:
A♥ A♠

und du bist der letzte an der Reihe. Auf dem Board ist.
A♣ Q♣ 8♠ 3♥ 10♣

Es gab eine Menge an Aktionen während die Hand gespielt wurde; meist zwischen dir und dem ersten Spieler an der Reihe und es gab zwei Spieler die bis rum River durchweg gecallt haben. Nun bettet der erste Spieler, der zweite raist und der dritte Spieler reraised! Welche Hände können nun entstanden sein, als die 10 auf dem River erschienen ist? Wahrscheinlich eine Straight und/oder ein Flush. Bis zum River hattest du eine großartige Hand, aber nun solltest du sie besser folden. Deine Position hat dir hier eine Menge Geld gespart.

Es ist schwer, jemandem eine Falle zu stellen, wenn man in Position ist.

Position zu haben ist ein Fluch und gleichzeitig ein Segen. Man hat es schwer, wenn man jemandem eine Falle stellen will und man last to act ist. Wenn du eine Monsterhand hast und jemand checkt zu dir, musst du dich entscheiden ob du bettest, um deine Hand zu schützen oder ob du checkst und versuchst den Gegner vor dir zum betten zu bekommen. Wenn wir unsere Trips mit den Assen betten, besteht die Gefahr, dass alle folden werden und dann fühlt man sich etwas verarscht, denn man hätte mit seiner Monsterhand einen Monsterpot gewinnen können. Wenn man wiederum checkt, gibt man dem Gegner eine Freecard, mit der er einen Draw bekommen kann, der dich schlägt.

Gegen typische Spieler (was auch immer das bedeuten mag) representiere ich an dieser Stelle oft eine starke Hand. Das Slowplay hat seinen Nutzen, aber viele werden Opfer des FPS (Fancy Play Syndrome) und sind so darin vertieft Fallen zu stellen, dass sie vergessen den Pot auf altbewerte Art und Weisen zu erspielen. Außerdem wird es oft als ein Stealraise interpretiert, wenn man aus last Position mit einem Paar Assen raist. Dadurch ist es wahrscheinlicher, dass wir gecallt werden, weil die Spieler uns einfach nicht abkaufen, dass wir Asse halten. Sie werden vielleicht nicht raisen, aber sie werden sicherlich callen. Das sollte man für sich nutzen und seine Hand betten, wenn sie gut ist. Wenn du keine gute Hand hast, hilft dir die Position wiederum den Pot zu stehlen. Die Gegner werden sich dran erinnern, dass du zuvor mit guten Händen aus der late Position heraus gespielt hast.

Zum Schluss

Der Grund warum deine Hände in last Position an Value gewinnen ist eine Kombination aus mehreren Elementen. Aber was ich euch mit diesem Artikel sagen will ist, dass die Hände damit an sich nicht besser werden, sondern es ist der Vorteil den wir auf lange Sicht haben, wenn wir durch die Position die Möglichkeit bekommen bessere Entscheidungen zu treffen und den Tisch somit besser kontrollieren zu können. Der Grund warum 10h 9h am Button und nicht UTG zu spielen ist, ist nicht nur, dass man Preflop evtl. geraised wird, sondern dass man im Falle, dass man eine gute Hand trifft, nicht die Möglichkeit bekommt genügend Geld von deinen Gegnern zu bekommen. Somit sind es viele Hände nicht wert, UTG gespielt zu werden, da man eher wenig Geld mit ihnen machen kann.

Hier gehts zurück zu Poker Strategie.