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Poker: Equity |
Equity
Jetzt, wo wir das Konzept der Equity verstanden haben, können wir uns den Anwendungsgebieten der Equity widmen. Im Speziellen werde ich auf das „Valuebetten“ bevor alle Karten auf dem Board gelegt worden sind, eingehen. Gewöhnlich wird dies „instinktiv“ auch von Anfängern gemacht, sie wissen jedoch oft nicht einzuschätzen in welchen Situationen es richtig oder falsch ist. Nehmen wir folgendes Beispiel: Wir haben A♥ K♥ und der Flop kommt: A♦ 9♠ 2♣ Zwei weitere Spieler haben unser Preflop Raise gecallt und schauen sich mit uns den Flop an. Da wir Position auf beide Spieler haben, können wir erst ihre Reaktionen abwarten: Beide Spieler checken zu uns. Da wir erstmal davon ausgehen die beste Hand zu halten, betten wir. Ein Spieler callt unsere Bet, der andere foldet. Kein besonders ungewöhnliches Szenario, aber betrachten wir den Grund für unsere Flop Bet etwas genauer: Wir gingen davon aus die beste Hand zu halten. Das ist sicherlich ein guter Grund aber nicht sehr situationsbezogen, denn was heißt es die beste Hand zu halten? Solange nicht beide Gegner folden, besteht die Möglichkeit dass wir Geld in einen Pot geben, den wir am River vielleicht verlieren werden – ein Gegner callt uns vielleicht mit 72o und wird eine weitere 2 am Turn treffen. Durch unsere Bet am Flop haben wir also nur Geld verloren und keines gewonnen. War die Flop Bet deshalb falsch? Nein! Beleuchten wir das Beispiel etwas genauer: Wir gehen also davon aus, dass unser Gegner unsere Flop Bet mit 72o callt. Gegen diese Hand haben wir am Flop eine Equity von 81,6 %. In 18,4 % der Fälle wird 72o eines seiner 5 Outs (3 7er und 2 2er) bis zum River treffen. Nur 5 Karten von 40 Möglichen verbessern also die Hand unseres Gegners. Damit sind wir klarer Favorit gegen diese Hand und unsere Bet am Flop ist dadurch sehr profitabel. Im Klartext: Durch die 81% Equity „gehören“ uns am Flop auch 81% des Pots und der Bets die in den Pot wandern, auch von den Calls der Gegner. Betten wir also 1$ und unser Gegner callt diese 1$ am Flop, gehören uns von den 2$ 1.60$. Wir bekommen also mehr zurück als wir investieren. Betten, wenn man am Flop Favorit ist und die beste Hand hält ist eine einleuchtende Anwendung der Equity, die auch viele Spieler richtig anwenden. In manchen Situationen ist es aber auch korrekt am Flop zu betten/raisen wenn man noch nicht die beste Hand hält, jedoch so viele Outs hat, dass die Gewinnwahrscheinlichkeit bis zum River größer ist, als die des Gegners, der vielleicht am Flop schon ein Paar getroffen hat. Mit folgendem Beispiel möchte ich dieses Szenario anschaulich machen: Wir haben K♠ Q♠ und der Flop kommt: J♠ 10♠ 3♣ Wir halten also einen Straight und Flush Draw, zudem haben wir 2 Overcards. 3 weitere Spieler sehen mit uns den Flop. Wir gehen für dieses Beispiel mal davon aus, dass jeder Spieler etwas getroffen hat: Gegner 1 den Buben, Gegner 2 die Zehn und Gegner 3 die Drei. Zudem behaupten wir, dass keiner unserer Gegner einen König, eine Dame, ein Ass, eine Neun oder eine Pik-Karte hält. Wenn wir uns diese Situation mit dem Poker Odds Calculator anschauen, stellen wir fest, dass wir in dieser Situation eine 65% Equity gegenüber den 3 Gegnern haben. Also können wir am Flop - obwohl wir noch keine Madehand haben - betten und raisen, mit der Erwartung 65% aller Bets, die in den Pot wandern, zu gewinnen. Hier sind wir sogar in einer besseren Situation als in dem vorherigen Beispiel: Wir geben nur $1 von insgesamt $4 in den Pot – im anderen Beispiel mussten wir die Hälfte zahlen. Für jeden Dollar den wir also am Flop in den Pot geben, bekommen wir $2,6 zurück. Dies ist also, so seltsam wie es klingen mag, eine bessere Situation für uns als ein Top Pair Top Kicker in einem Heads-Up Pot zu floppen. Die große Equity haben wir, weil es so viele Karten im Deck gibt, die uns die beste Hand bescheren. In unserem Beispiel haben wir 9 Flush Outs, 6 Overcards Outs und weitere 6 Straight Outs (eigentlich 8, aber 2 davon wurden schon zu den Flush Outs dazugezählt) = 21 Outs, bzw. 21 Karten im Deck die auf dem Turn und River nicht kommen dürfen, damit unsere Gegner eine Chance haben, zu gewinnen. Das ist fast die Hälfte aller verbleibenden Karten im Deck! Hier haben wir also eine Situation in der wir aufgrund unserer hohen Equity am Flop raisen sollten, obwohl wir noch keine Made Hand halten. In einer ähnlichen Situation befinden wir uns, wenn wir den Nutflush Draw am Flop halten: Unser Draw wird mit 35%-tiger Wahrscheinlichkeit bis zum River ankommen. Das bedeutet, solange sich das Board nicht paired haben wir eine 35% Equity den Pot zu gewinnen. Bei 2 oder mehr Gegnern ist es also profitabel den Flop zu betten und raisen, da wir erwarten 35% der Bets die in den Pot wandern, zu gewinnen – selber aber nur 1/3 der Bets in den Pot zahlen (bei 2 Gegnern). Es gibt weitere Taktiken die auf komplexen Equity Rechnungen basieren, eine der bekanntesten ist der Semibluff. Für diesen +EV Bluff braucht man jedoch ein gewisses Maß an Fold Equity (Chance, dass der Gegner seine aktuelle Equity aufgibt und foldet.), damit dieser profitabel ist. Fold Equity werde ich detailliert im nächsten Artikel über Semibluffs behandeln. Hier gehts zurück zu Poker Strategy |
